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Maschinen fressen Menschen – oder: Wie helfen wir Menschen handlungsfähig zu werden?

Die ARD-Themenwoche fängt gleich schräg an. Im Tatort „Echolot“ wird ein Mensch von einem elektronischen Assistenten umgebracht. Die dahinter steckende „künstliche Intelligenz“ verselbständigt sich. Sofort stellt sich die Frage: Müssen wir bald Angst haben, von Robotern und Computern ersetzt zu werden und am Ende gar nicht mehr selbst entscheiden zu können? Verdrängen uns diese Maschinen am Ende vom Platz an der Sonne?

Wenn das der Start in die ARD-Themenwoche „Zukunft der Arbeit“ war, dann war er eher „unglücklich“. Eine für eine Woche geplante Publikumsdiskussion am falschen Punkt beginnen, birgt die Gefahr, sie in die Irre zu führen. Wir wollen über die Zukunft der Arbeit sprechen. Das ist wichtig, denn aktuell zeichnet sich ein Umbruch in der Arbeitswelt und der Gesellschaft insgesamt ab. Wir müssen alle zusammen lernen, diesen Umbruch erfolgreich zu gestalten. Die Frage ist, was macht den Umbruch aus? Wie werden wir handlungsfähig?

Statt mit dem Neuen zu beginnen, wärmt der „Tatort“ die alten Ängste vor der Technik wieder auf. Wir erinnern uns an den Film „WarGames“ aus dem Jahr 1983 als ein Computer sich verselbständigt und einen Atomkrieg auszulösen droht. Oder an „Hal 9000“, den sprechenden Computer, der sich in Stanley Kubricks “Odysee im Weltraum” weigert, die Befehle des Astronauten auszuführen und diesen damit zu töten droht.

Der epische Kampf des Menschen gegen die Technik lässt sich gut verkaufen. Aber darum geht es beim digitalen Umbruch überhaupt nicht. Das hilft daher den Menschen nicht ihre Zukunft besser zu meistern, sondern schürt Zukunftsangst, die blockiert. Ein technisches System tötet dann, wenn es dafür programmiert ist! Es „lernt“ nicht, weil es kein Bewusstsein hat. Und hat deshalb kein schlechtes Gewissen. Es „entscheidet“ auch nicht, sondern wendet die Entscheidungsparameter an, die das Programm vorgibt. Und nicht der Roboter macht Menschen arbeitslos, sondern Menschen!

Wenn wir über die Zukunft der Arbeit diskutieren wollen, sollten wir uns fragen, woher die Veränderung wirklich herrührt, was also das Neue ist, was zu gestalten ist. Es sind nicht die Computer. Die kennen wir seit den 1950er Jahren in der Arbeitswelt. Neu ist, dass diese Systeme über einen weltweit verfügbaren Informationsraum untereinander vernetzt werden können. Dieser Informationsraum ist aber viel mehr als ein vernetztes Maschinensystem. Er besteht vor allem aus der Kommunikation von Milliarden von Menschen, ist also ein sozialer Handlungsraum. Hier tauschen sie Wissen aus, spielen, lernen sich kennen und verlieben sich. Der Informationsraum ist eine neuartige Handlungsebene. Diese ist auf der Basis des Internets entstanden und wird durch das praktische Tun von Menschen jeden Tag millionenfach verändert und immer wieder neu geschaffen. Dieser Informationsraum gibt uns als Menschen die Möglichkeit, über die Welt der Informationen unmittelbar in die Welt der Dinge einzugreifen und unsere geistigen Fähigkeiten zu vervielfältigen. Die Welt der Informationen wird so zur zentralen Bezugsebene menschlichen Handelns.

In den nächsten Jahrzehnten entscheiden wir, wofür wir den neuen Handlungsraum nutzen. Ob wir damit unsere Handlungsmöglichkeiten erweitern oder die Menschen in digitale Fließbänder stecken wollen. Ob wir mehr Möglichkeiten haben, über unsere Zeit und unser Leben zu bestimmen oder zu jeder Zeit für die Arbeit verfügbar sein müssen. Ob wir mehr Transparenz für mehr Demokratie am Arbeitsplatz oder für mehr Kontrolle nutzen. Oder ob wir die Zukunftschancen der Menschen verbessern oder ihre Unsicherheit weiter schüren. Für diese Entscheidungen werden aktuell die Weichen gestellt. Und es kommt darauf an, dass wir lernen, Neuland im Sinne der Wohlfahrt der Menschen zu gestalten.

Andreas Boes bloggt in dieser Woche im Rahmen der ARD-Themenwoche „Zukunft der Arbeit

Autorenkollektiv: Andreas Boes, Katrin Gül, Tobias Kämpf, Barbara Langes, Thomas Lühr, Kira Marrs, Elisabeth Vogl, Alexander Ziegler

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