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Mein Job ist zu 100% durch Maschinen zu ersetzen – aber welche Maschine will schon Sozialwissenschaftler werden?

Der Job-Futoromat der ARD-Themenwoche prognostiziert, dass mein Beruf mit 0% einen sehr niedrigen Grad der Automatisierbarkeit aufweist. Da bin ich ja beruhigt! Der Weihnachtsmann hat übrigens die gleiche günstige Prognose.

job-futuromat

Quelle: https://job-futuromat.ard.de/

Damit wären wir beim Thema. Ich garantiere Ihnen, Sie können genauso gut in eine Glaskugel schauen, um sich Ihre Berufsaussichten in der digitalen Arbeitswelt voraussagen zu lassen. Die Wahrscheinlichkeit, eine zutreffende Prognose zu erhalten, ist nicht geringer. Alle mir bekannten Studien operieren in einem veralteten Prognosemodell. Sie fragen vor allem nach der Automatisierbarkeit von Tätigkeiten. Die dem Job-Futoromat zugrunde liegende Prognose des IAB bringt zusätzlich noch die alte These, dass hohe berufliche Qualifikationen vor Automatisierung schützen würden.

Unlängst hatte ich das Vergnügen, einen Startup-Unternehmer zu hören, der vor 200 versammelten Managern über die Frage der Automatisierbarkeit von Managementtätigkeiten sprach. Sein Ergebnis war für die Anwesenden weniger erfreulich als die Prognose für die Weihnachtsmänner. Er ging davon aus, dass gut 80% der Tätigkeiten von Managern durch Expertensysteme ersetzbar seien. Und im Gegensatz zu den oben erwähnten Prognosen konnte er auf Empirie und eigene Versuche verweisen. Aber auch hier würde ich sagen, dass er mit seiner provokativen These zu kurz gesprungen ist.

Aber das Automatisierungspotential ist nur eine Seite des Wandels der digitalen Arbeitswelt. Viel wichtiger ist, dass etwas ganz Neues entsteht. Nämlich die Fähigkeit, auf Grundlage vielfältigster beruflicher Erfahrungen im Zusammenspiel mit unterschiedlichsten Fachkräften aus anderen Tätigkeitsbereichen aus einer Unmenge von Daten sinnvolle Informationen zu machen. Das ist  zunächst einmal eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit. Aber es gilt ebenso für Lagerarbeiter, die Schweißroboter mit Big Data-Ansätzen  optimieren müssen, wie für Verkäufer, die mit ihrer Berufserfahrung helfen, die Käuferwünsche hinter den Nutzerprofilen aus Millionen Daten zu entdecken. Gefragt sind also nicht nur Programmierer, die neue Algorithmen entwickeln. Überall unverzichtbar sind Menschen, die sich souverän im globalen Informationsraum bewegen können. Und genau diese Fähigkeiten sind notwendig, um neue Güter und Dienstleistungen zu entwickeln, vorhandene Ressourcen mit Hilfe von Informationen zu schonen und mehr Wohlfahrt für Menschen zu schaffen. Hierauf kommt es in Zukunft an.

Autorenkollektiv: Andreas Boes, Katrin Gül, Tobias Kämpf, Barbara Langes, Thomas Lühr, Kira Marrs, Elisabeth Vogl, Alexander Ziegler
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