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Data, Data, Data – Das Valley realisiert die digitale Gesellschaft im Selbstversuch

Kürzlich war ich mit zwei Kollegen nach dem Essen noch auf ein Bier in einer Bar in „SF“ (don’t say „Frisco“). Wir hatten einen netten Abend. Am nächsten Morgen kam schon eine Mail vom Team der Bar. Sie bedankten sich für meinen ersten Besuch in der Bar, forderten mich auf, doch mein feedback zu schreiben und verabschiedeten sich in der Hoffnung, dass ich bald wieder vorbei komme. Da ich meine eMail dort nicht hinterlassen hatte, war ich einigermaßen perplex. Woher wussten die Mitarbeiter der Bar, dass ich dort war? Und woher wussten sie, dass ich zum ersten Mal dort war?

Keine Daten, keine Punkte.

Keine Daten, keine Punkte.

Nach einigem Nachdenken erkläre ich mir den Sachverhalt folgendermaßen: Während meiner Zeit im Valley nutzte ich Waze. Eine App, die aktuelle Verkehrsinformationen generiert, indem die Nutzer ihre Daten und weitere Informationen einspeisen. Die App ist wie ein ADAC-Staumelder als interaktive
Plattform im Crowd-Ansatz konzipiert. Dieses System zeichnet alle meine Bewegungen auf und visualisiert sie für alle anderen Nutzer. Wenn ich bestimmte Freunde benennen würde, würde es denen sogar Meldung machen, wenn ich in ihrer Nähe bin.
Ich vermute, dass Waze die so generierten Daten nicht nur den anderen Nutzern zur Verfügung stellt, sondern interessierten Kunden (vermutlich gegen eine geringe Gebühr) entsprechend aufbereitet und die eMail-Adressen der Personen von Interesse zugänglich macht. So wissen die Mitarbeiter der Bar, dass ich dort für eine halbe Stunde gesessen habe und so bekamen sie vermutlich auch meine eMail-Adresse. Stimmt’s?

Hinter dieser neuen Geschäftsidee steckt eine Kultur des Umgangs mit Daten und Informationen, die vollständig auf die neuen Bedingungen der digitalen Gesellschaft zugeschnitten ist. Wer hier danach fragt, wie mit den eigenen Daten umgegangen werde, erfährt, dass die Menschen hier – außer ihren Kreditkartendaten – gar nichts für schützenswert halten. Selbst seine Genom-Informationen, so versicherte uns ein Gesprächspartner, würde er der Allgemeinheit im Netz selbstverständlich zur Verfügung stellen. Er kennt die deutsche Befindlichkeit in Sachen Datenschutz und Schutz der Privatsphäre und meint, dass diese Mentalität hier befremdlich wirke.

Hier stellt jeder gerne seine Daten zur Verfügung. Denn nur so lassen sich die neuen Möglichkeiten des Internets wirklich nutzen. „Nur wer etwas von sich preis gibt, erfährt auch etwas“, hören wir hier immer wieder. Daher werden hier im Silicon Valley die neuen Möglichkeiten der Informatisierung intensiv genutzt. Das ganze Valley ist ein Informatisierungs-Biotop, das im Selbstversuch die Daten und Informationen generiert, die benötigt werden, um eine digitale Ökonomie auf die Beine zu stellen. Ohne die vielen offenherzigen Nutzer würde die kritische Masse an Ausgangsdaten fehlen, um einer neuen Ökonomie, die auf der Verwertung gigantischer Datenmengen beruht, Flügel zu verleihen. Damit liefern sie den entscheidenden Treibstoff, um tausende neuer Geschäftsideen in allen Bereichen des Lebens zu ermöglichen.

Um diese Datenmengen in Geschäftsideen zu verwandeln, werden hier nicht nur Supercomputer und Big-Data-Konzepte genutzt. Das macht das Valley ganz konventionell, mit der Kommunikation zwischen Menschen an einem Ort. Alle diskutieren, die Teams in den Start-ups, die Entwickler in den großen Unternehmen. Und alle malen sie dabei eifrig auf allem, was ihnen zur Verfügung steht. So generieren sie die Ideen. Um diese dann zu prüfen, plaudern sie sie fast ohne Rücksicht auf Geschäftsgeheimnisse ganz bewusst aus – auf der Party am Abend oder beim Besuch von Freunden. Da im Valley seitens der Menschen in der Internet-Industrie alle mit allen verbunden sind, entsteht so ein hervorragendes Evaluationssystem. Und weil die entscheidenden Player im Silicon Valley über ihre Netzwerke alle miteinander in Beziehung stehen, lernt dieses soziale Innovationssystem enorm schnell. Das heißt, die Menschen im Valley haben nicht nur eine Unmenge von Daten über alles und jedes, sondern sie sind als vergleichbar kleines soziales System auch in der Lage, diese kommunikativ zu interpretieren und so zu validen Informationen zu veredeln.

Unsereins denkt, die Menschen am Nachbartisch in der Bar würden nur noch schnell ein Bier trinken. Dabei diskutieren sie gerade ihre neuesten Ideen, wie sie aus den Daten ein Business machen können. Denn die Netzwerke des Valley werden von den persönlichen Gesprächen im Freundeskreis, in der Bar oder auf der Party zusammengehalten. Und auch hier gilt, dass nur der Informationen bekommt, der seine offen legt.

Autorenkollektiv: Andreas Boes, Katrin Gül, Tobias Kämpf, Barbara Langes, Thomas Lühr, Kira Marrs, Elisabeth Vogl, Alexander Ziegler
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