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Zur destruktiven Wirkung sozialer Ungleichheit im Silicon Valley

Zum Abschluss unserer tollen Reise ins Silicon Valley erhielten wir einen intensiven Eindruck der destruktiven Wirkung der großen sozialen Ungleicheit im Valley. Vollgepackt mit vielen Erfahrungen zur Innovationskraft im Valley, erlebten wir bei Rückflug die Kehrseite dieser Geschichte.

Unser Flug bei UA wurde wegen technischer Probleme der ersten Maschine und der drohenden Überschreitung der Höchstarbeitszeiten der Crew nach mehrmaligem Aus- und Einsteigen letztlich abgeagt. Das kommt öfter vor. Auch bei anderen Fluggesellschaften. Was wir dann aber beim Umbuchen des Jumbo-Jets erlebt haben, war nicht nachvollziehbar: Alle Passagiere wurden zum Hauptschalter geschickt und einer nach dem anderen versorgt. Null Organisation. Keine Bündelung der unterschiedlichen Gruppen – manche brauchten nur die Info, ob und wann der Flug am nächsten Tag geht, andere benötigten einen Hotelvoucher und eine dritte Gruppe musste (kompliziert) umgebucht werden. Die Bearbeitungszeit pro Fahrgast lag häufig bei 30 Minuten und mehr. In einem Fall bei 150 Minuten.

Der wichtigste Grund dafür wurde uns klar als wir an unserem Schalter angekommen waren: Viele der Kolleginnen und Kollegen an den Terminals waren einfach nicht qualifiziert, diesen Job zu machen. In unserem Fall fehlten offensichtlich sogar Sprachkenntnisse. Die Kollegin strengte sich sehr an, aber sie wusste einfach nicht, was bei der Flugbuchung zu machen ist und wie das Buchungsprogramm bedient wird. Die ständigen Anrufe, über die wir uns vorher gewundert hatten, gingen an das Helpdesk. “Wie gebe ich das ein?”, “Was muss ich hier machen?” waren die Fragen. Unser Anschlussflug in Deutschland war längst von LH umgebucht. Das wussten wir über den Onlinedienst der Fluggeselkschaft. Aber sie versuchte ihn immer wieder neu zu buchen, statt die Bordkarte einfach auszudrucken. Die Kollegin war, wie fast alle anderen sehr motiviert und wollte uns helfen. Aber ihr fehlten die Qualifikationen, um das zu tun. Der Kollege am Nachbardesk, der eine Reisende auf diese umständliche Art für zweieinhalb Stunden beraten hat, musste danach erst einmal für eine halbe Stunde weg, so fertig war er.

Ein Berater aus Graz, mit dem wir uns die Wartezeit verkürzten, meinte dazu: “Das kommt davon, wenn man Organisation und Qualifikation durch niedrige Löhne ersetzen will”. Da sind wir wieder beim Problem der sozialen Spaltung. Weil man hier unterhalb der Schwelle der “Professionals” oft nur Hungerlöhne zahlt, reproduziert sich hier eine große Gruppe von Arbeitskräften, die nicht über ausreichende Qualifikationen für ihren Job verfügen. Bei der Digitalisierung wird nach dem Mond geschossen. Was aber nicht im Fokus steht, soll einfach nur billig sein. Die Konsequenzen haben wir zu unserem Leidwesen gespürt.

Autorenkollektiv: Andreas Boes, Katrin Gül, Tobias Kämpf, Barbara Langes, Thomas Lühr, Kira Marrs, Elisabeth Vogl, Alexander Ziegler

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