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Digitalisierung ist kein Hype mehr! Bericht von der 2. digit-DL Transferkonferenz

Dr.-Ing. Stefan Hartung referierte zum Thema Digitalisierung als Innovationstreiber von Technologien und Geschäftsmodellen

Dr.-Ing. Stefan Hartung referierte zum Thema Digitalisierung als Innovationstreiber von Technologien und Geschäftsmodellen

Als im Dezember 2014 die erste Transferkonferenz unseres Projekts digit-DL in München stattfand, war unter den Teilnehmern noch eine gehörige Portion Skepsis spürbar. Sind die von der Digitalisierung ausgehenden Veränderungen wirklich so grundlegend? Ist das Digitalisierungsthema vielleicht nicht vielmehr ein neuer Hype, der zwar viel Aufmerksamkeit generiert, dem aber kein substanzieller Wandel in der Unternehmenswirklichkeit gegenüber steht? Vergangenen Donnerstag auf der zweiten Transferkonferenz des Projekts, die unser Projektpartner IG Metall in Frankfurt/Main ausgerichtet hat, wurde deutlich, dass sich diese Skepsis mittlerweile nahezu in Luft aufgelöst hat. Gebannt wurde den Vorträgen gelauscht, in denen über die neusten Entwicklungen der digitalen Ökonomie berichtet wurde. In den regen Diskussionen, die im Anschluss sowohl im Plenum als auch in kleinen Workshops geführt wurden, spürte man, dass die Digitalisierung keinesfalls mehr Randthema ist. Sie ist mittlerweile als zentrale Herausforderung im betrieblichen Alltag angekommen.

Allerorten werden auf Basis der Digitalisierung Geschäftsmodelle in Frage gestellt, Innovationsstrategien verändert und die Organisation von Arbeit neu gestaltet. Dies stellt neue Anforderungen an Qualifizierung, Datenschutz und die Regulation von Arbeitszeit, um nur ein paar der am heißesten diskutierten Themen aufzugreifen. Wissenschaftler, Unternehmensvertreter sowie Gewerkschaften und Betriebsräte tauschten sich untereinander aus, welche Veränderungen in ihren Bereichen bereits heute wirksam werden, und debattierten lebhaft, welche Entwicklungen sich in Zukunft erwarten lassen. Sind neue cloudbasierte Systeme zur Verhaltens- und Leistungssteuerung wie sie im Silicon Valley bereits Gang und Gäbe sind auch bei uns denkbar, lautete bspw. eine der Fragen. Obwohl die Meinungen hinsichtlich Chancen und Risiken der Digitalisierung zuweilen auseinander gingen, in einem, so schien es, waren sich jedoch alle Teilnehmer einig: Wissenschaft, Unternehmen, Betriebsräte und Gewerkschaften sind gefordert, gemeinsam an nachhaltigen Lösungen zu arbeiten, um diesen historischen Umbruch unter Beteiligung aller Akteure zu meistern und die digitale Arbeitswelt im Sinne der Menschen zu gestalten.

Dieses Leitmotiv zog sich auch wie ein roter Faden durch die spannenden Vorträge. In seinem Grußwort betonte Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas vom BMBF die rasante Geschwindigkeit der gegenwärtigen Veränderungen und stellte die Eckpunkte des Forschungsförderprogramms des BMBF zum Thema Digitalisierung und Zukunft der Arbeit vor.

Das erste Hauptreferat hielt die Zweite Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner. Sie schilderte darin die zahlreichen Initiativen, in denen sich ihre Organisation für gute Arbeit in der digitalen Ökonomie stark macht. Mit der Idee eines echten Empowerments der Beschäftigten in der digitalen Arbeitswelt warb sie für eine übergeordnete Leitorientierung, die der Gesellschaft als Kompass in den Auseinandersetzungen und Debatten, um die nachhaltige Gestaltung der digitalen Transformation und als Gegenmodell zu den rechtsfreien Räumen des Silicon Valley dienen kann.

Im Anschluss stellte Tobias Kämpf die Ergebnisse unserer Erhebungen aus dem Silicon Valley vor. An einer Reihe von Fallbeispielen demonstrierte er die disruptive Wucht der Digitalisierung, die von den Unternehmen des Valley zu einem regelrechten Katapultstart in die digitale Gesellschaft genutzt wird. Auch hier überraschte uns die Akzeptanz, mit der unsere Forschungsergebnisse aufgenommen wurden. Ende 2014 ernteten wir etwa mit unserer These einer bevorstehenden Disruption der Automobilindustrie durch neue Player aus dem Silicon Valley noch fragende Blicke. Mittlerweile, so der Eindruck, hält es die Mehrheit der Anwesenden keineswegs mehr für unrealistisch, dass eine Disruption der Automobilindustrie bevorsteht und dass den aktuell an der Spitze der Wertschöpfungskette positionierten OEMs künftig nur die Rolle von Kontraktfertigern für Google, Apple, Uber & Co vorbehalten bleiben könnte. In seinem Referat machte Tobias Kämpf zugleich klar, dass es ein falscher Ansatz wäre, das Innovationsmodell des Silicon Valley in Deutschland schlicht kopieren zu wollen. Als reife Industriegesellschaft können wir mit der digitalen Transformation nicht einfach auf einer grünen Wiese beginnen. Unser Sozialmodell zu opfern, wäre fatal. Es könne vielmehr als entscheidender Vorteil bei der Nutzung der Potenziale der Digitalisierung für eine neue Humanisierung der Arbeitswelt ins Gewicht fallen.

„Digitalisierung als Innovationstreiber von Technologien und Geschäftsmodellen“ war schließlich das Thema der Keynote von Dr.-Ing-. Stefan Hartung. Am Beispiel seines Unternehmens demonstrierte der Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH die Suchbewegungen eines Industriegiganten und Weltkonzerns, der angesichts der Bedrohung durch disruptive Innovationen daran arbeitet, sich in vielen Bereichen neu zu erfinden. Elemente dieses neuen Bauplans sind zum einen neue Geschäftsfelder wie Connected World und Smart Cities, zum anderen aber auch neue Formen der Organisation von Arbeit durch agile Methoden oder Initiativen zur Neugestaltung des Arbeitsplatzes der Zukunft über offene Büro- und Raumkonzepte.

Am Ende der Tagung stand für uns fest, dass wir auf gutem Weg sind, ein wesentliches Ziel unseres Projekts zu erreichen: In immer mehr Unternehmen wird der digitale Umbruch nicht mehr klein geredet, sondern Unternehmensleitung und Beschäftigte beginnen damit, aktiv und vorausschauend an seiner Gestaltung zu arbeiten.

Autorenkollektiv: Andreas Boes, Katrin Gül, Tobias Kämpf, Barbara Langes, Thomas Lühr, Kira Marrs, Elisabeth Vogl, Alexander Ziegler
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