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Jetzt bei Apple anheuern und eine Million Dollar Handgeld kassieren – Bericht zu den Autobauern aus dem Silicon Valley

Wer wird das Auto der Zukunft bauen?

Wer wird das Auto der Zukunft bauen?

Auf dem kurzen Weg zu Esther’s German Bakery (@SZ: das Brot ist übrigens nicht mit deutschem Brot zu vergleichen) sind uns heute wieder zwei Google Cars begegnet. In Deutschland würden alle auf der Straße stehen bleiben, hier dreht sich keiner nach dem kleinen Auto um. Das Auto ist eben Teil des großen Selbstversuchs „Wie könnte die digitale Gesellschaft der Zukunft aussehen?“ an dem hier viele (nicht alle!) in der einen oder anderen Weise teilhaben.

Interessanterweise können sich die Unternehmen hier im Silicon Valley diese digitale Welt nicht ohne Autos denken. Autos haben hier im Valley eine sehr dominante Rolle. Wer es sich leisten kann, hat so viele Autos wie erwachsene Personen im Haushalt. Das hat fatale Folgen: Die gesamte Infrastruktur ist auf Autos ausgelegt, der öffentliche Nahverkehr ist wenig ausgebaut. Da ist es nicht verwunderlich, dass UBER und Lyft hier zu ernsthaften Mobilitätsdienstleistern geworden sind. Und immerhin beginnt man, die Infrastruktur für Fahrräder besser auszubauen.

Alle, die sich mit Autos befassen, waren überrascht, wie schnell es Tesla geschafft hat, ein Auto zu entwickeln und zu produzieren. Damit wurde der Beweis erbracht, dass ein Start-Up aus dem Stand in die Phalanx der Autohersteller einbrechen kann. Dabei hat es sich für Tesla als sehr vorteilhaft erwiesen, dass sie radikal auf den Elektromotor gesetzt haben. Hier ist nämlich der Wettbewerbsvorteil der großen OEMs bei weitem nicht so groß, wie bei herkömmlichen Verbrennungsmotoren. Was wir in Deutschland jedoch nicht so intensiv diskutieren, ist die Tatsache, dass Tesla nicht nur hinsichtlich des Antriebsstrangs und des Serviceangebots neue Maßstäbe gesetzt hat, sondern insbesondere eine neue Art von Auto auf den Markt gebracht hat. Bei Tesla sind alle Autos hier in den USA permanent als Objekte im Informationsraum eingenetzt. Das hat zwei sehr entscheidende Vorteile gegenüber herkömmlichen Autos. Erstens verfügt Tesla über riesige Datenbestände hinsichtlich des Fahrverhaltens und der Mobilitätserwartungen seiner Kunden. Ihre Kunden machen hier im Valley gewissermaßen einen großen Feldtest und ermöglichen eine permanente Dauerbeobachtung. Und zweitens kann das Unternehmen seine Produkte über die Cloud permanent verändern. Genauso wie wir es gewohnt sind, dass ein neues Betriebssystem oder eine neue Version einer App ohne unser Zutun auf unser Smartphone gespielt wird, kann auch die Software des Tesla immer wieder „geflasht“ werden. Heute erzählte uns ein Gesprächspartner, dass sein Tesla nach der neuesten Aktualisierung der Software neue Funktionalitäten im Bereich des automatisierten Fahrens habe. Der Tesla Autopilot ist erst aber der Anfang.

Das Innovationssystem des Valley wird natürlich wesentlich von den Googles und Apples bestimmt. Sie sind hier die Big Player über die jeder spricht. Interessanterweise haben auch diese sich mittlerweile von der Welt der Informationen kommend dem guten alten Auto zugewandt und zeigen unübersehbare Bestrebungen, auch dieses in eine digitale Welt hinein zu katapultieren.

Welche Kraft diese beiden Unternehmen mit ihrem gigantischen Cash Flow haben, können wir mit deutschen Maßstäben kaum ermessen. So hört man, dass Apple den Ingenieuren von Tesla, dem neuen Star am Elektroauto-Himmel, ein „Handgeld“ bis zu einer Million Dollar zahlt, wenn sie jetzt einen Vertrag bei Apple abschließen und mindestens ein Jahr dort bleiben.

Alternative: Fahrradwege sollen im Valley besser ausgebaut werden.

Alternative: Fahrradwege sollen im Valley besser ausgebaut werden.

Wer das macht, hat sehr viel Geld. Und ein klares Ziel: Das iCar ist in eine neue Phase getreten. Wir sprechen nicht mehr darüber, ob Apple in den Automarkt einsteigt, sondern wann und mit welcher Wucht. Dabei sind wir überzeugt, dass Apple nicht nur ein neues Produkt auf den Markt bringen wird, sondern vor allem ein neues Produktionskonzept vorstellen wird. Genauso wie sie 2007 mit dem iPhone nicht nur den Produktmarkt im Bereich der mobilen Telefonie disruptiv veränderten, sondern auch die Art und Weise, wie dieses Produkt hergestellt wird, scheinen sie auch an den Automarkt heranzugehen. Was ihnen bei der Produktion des iPhone gelungen ist, werden sie auch auf den Automobilmarkt übertragen: das Kontraktfertigermodell. Also wird Apple genau so viele Entwickler brauchen, wie nötig sind, um das Auto zu entwickeln. Die Kompetenz für die Serien-Produktion werden sie überhaupt nicht anstreben. Wenn also die deutschen Hersteller meinen, ihre Kompetenz in Sachen Serienproduktion von Autos sei „save“ – da komme also keiner der hiesigen Konkurrenten dran – ist das richtig. Aber es nutzt ihnen nichts. Sie laufen schlicht Gefahr, gebypasst zu werden.

Also ist die Preisfrage: Wer baut für Apple, Google und UBER die Autos der Zukunft? Angesichts der Überkapazitäten im Markt wird sich bestimmt der eine oder andere europäische Hersteller finden – vielleicht nicht unter dem eigenen Namen, sondern mit einer Tochterfirma. Darüber hinaus werden sich die neuen chinesischen Autohersteller sicher für einen solchen Auftrag interessieren. Und selbst Foxconn, der taiwanesische Kontraktfertiger des iPhone und vieler anderer Smartphones und Marken-Laptops mit Hauptsitz in China ist hier als ernstzunehmender Auftragnehmer im Gespräch. Was daran deutlich wird: Es besteht die Gefahr, dass die Kernkompetenz der deutschen Autoindustrie, die Qualitätsproduktion in großen Serien, in der nächsten Phase der Entwicklung der Automobilproduktion nicht mehr den Unterschied machen könnte.

Autorenkollektiv: Andreas Boes, Katrin Gül, Tobias Kämpf, Barbara Langes, Thomas Lühr, Kira Marrs, Elisabeth Vogl, Alexander Ziegler

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