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Kreative Werkstatt entdeckt: So würden wir uns das Büro der Zukunft wünschen!

Werkstatt für Kopfarbeit

Werkstatt für Kopfarbeit

Experimente mit Open Office-Konzepten findet sich gegenwärtig überall. Nur meistens entpuppen sie sich nicht als Räume für kreative Teams, sondern als Versuche, Raumkosten zu sparen und die Leute aus ihrer „heimeligen“ Komfortzone herauszuholen. Die Mitarbeiter haben daraufhin oft das Gefühl, dass ihnen etwas weggenommen wird: ihr Raum oder zumindest der eigene Schreibtisch.

Hier im Silicon Valley haben wir jetzt endlich mal ein offenes Bürokonzept erlebt, wie wir es uns für kreative Teams wünschen – und nicht zuletzt auch für uns selbst. Dieses Konzept hat ein Software-Unternehmen, das wir besucht haben, über mehrere Jahre gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entwickelt. Die Variante, die wir hier studieren konnten, bezeichnen sie selbst als die „Generation 4.0“.

Als wir das Gebäude betreten, haben wir das Gefühl, wir kommen in eine ehemalige Werkstatt. Statt der Dreh- und Schleifmaschinen finden sich nun lose gruppierte Tische, Bildschirme und White-Boards. Das Licht scheint bewusst gedämmt. Es ist in seinem Farbspektrum dem natürlichen Licht nachempfunden. Hier hat sich kein Designer ausgetobt – der Raum ist Ergebnis gelebter Praxis. Nichts wirkt „geleckt“ oder künstlich. Der Raum mutet wie eine richtige „Werkstatt“ für kreative Köpfe an. Dazu trägt nicht zuletzt auch die enorme Weite der Fläche bei – Raum eingespart wird hier jedenfalls ganz offensichtlich nicht. Erstaunt waren wir über ein angenehmes Rauschen, das wie die Lüftung einer Maschine klingt. „Das ist Absicht“, erklärt uns ein Kollege, der hier arbeitet. Das Lüftungsrauschen ist künstlich erzeugt und soll verhindern, dass man das Gefühl hat, man müsse hier leise sein. „Wir wollen nicht, dass man sich wie in einer Bibliothek vorkommt und sich nicht traut zu reden“, erläutert der Kollege. Die Wände in dieser Fläche sind entweder nicht vorhanden bzw. zumindest gläsern oder sie bestehen aus riesigen White-Boards. Visualisierung spielt hier eine große Rolle: Den Entwicklern ist es wichtig, dass man sehen kann, woran sie arbeiten: die ganze Historie eines Projekts lässt sich oft anhand der Zeichnungen und Notizen an den Wänden nachvollziehen. So gerät nichts in Vergessenheit. Erst nach dem Projektende werden die Wände abgewischt.

Büro der Zukunft?

Büro der Zukunft?

Und noch etwas fällt auf: „Hier steht alles auf Rollen“, merkt der Kollege an. Und tatsächlich finden sich auf der ganzen Fläche keine Gegenstände, die nicht verschiebbar wären. Dahinter steckt die Idee, dass immer da wo Menschen arbeiten, sie sich den Raum so gestalten sollen, wie sie ihn brauchen. „Wir wollen nicht, dass der Raum determiniert, wie wir denken, sondern der Raum soll sich unserer Arbeit anpassen“. Das erinnert stark an das alte Bauhaus-Prinzip „form follows function“.

Insgesamt ist unserer Eindruck, dass der Charakter von „Open Office“ hier ein doppelter ist: Nicht nur die Räume sind offen und sollen so die Kommunikation und die Kollaboration in der Arbeit befördern, sondern auch ihre Gestaltung selbst unterliegt einem permanenten, offenen Prozess. Was ein „Raum“ ist, wo er ist und wie er gestaltet ist, bestimmen die Menschen selbst – nach ihren Bedürfnissen und den wechselnden Anforderungen ihrer Arbeit. Ein Konzept offener Raumgestaltung, das nicht zuletzt auch für viele Entwicklungsabteilungen deutscher Unternehmen interessant sein könnte.

Autorenkollektiv: Andreas Boes, Katrin Gül, Tobias Kämpf, Barbara Langes, Thomas Lühr, Kira Marrs, Elisabeth Vogl, Alexander Ziegler

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